Rohrsanierung Bedeutung und Ablauf

Bestimmt ist Ihnen auch schon mal die Frage in den Sinn gekommen, warum eine Straße immer wieder auf- und zugebuddelt wird, bis das Pflaster ein einziges Flickwerk ist. Man könnte die Arbeiten doch lieber in einem Stück erledigen, denkt man als Steuern zahlender Bürger verärgert.

Doch genau das geht nicht, denn es sind verschiedene Arbeiten an unterschiedlichen Rohrsystemen, die von unterschiedlichen Stellen ausgeführt werden und daher zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen. Wie man sieht: Instandhaltung, Sanierung und Reparatur des öffentlichen Rohrsystems, der verschiedenen Zu- und Ableitungen und Entwässerungsanlagen ist ständig im Gange. Sie ist von enormer Bedeutung. Solange alles rund läuft, vergisst man als Bürger, welche ausgeklügelte Logistik nötig ist, damit wir unser tägliches Leben leben können. Doch wenn ein Telefonkabel gebrochen, eine Gas- oder Wasserleitung defekt oder die Zuleitung für die Fernwärme ein Leck hat, dann stehen wir auf dem Schlauch und schreien um Hilfe!

In den Gazetten liest man immer wieder, dass viele Abwassersysteme marode sind. Sie wurden in den Zeiten errichtet, als es noch nicht einmal halb so viele Häuser in den Städten gab. Im 18. und 19. Jahrhundert war man darauf bedacht, den schnellen Abwasser-Transport aus den Wohngebieten zu den damaligen Kläranlagen zu gewährleisten. Die Dichtigkeit des Rohrsystems stand dabei nicht so sehr im Vordergrund wie diese Leistung. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man zahlreiche Häuser und vergaß, die Rohrleitungen an den steigenden Nutzungsbedarf anzupassen. Die Besiedlungsdichte in den Städten und Vororten wuchs und wuchs. Das Leitungsnetz für die Abwässer blieb immer gleich. Zugleich wurden die Wasserressourcen knapper und das schadhafte Rohrleitungsnetz wurde immer mehr zum Thema von Ämtern und Behörden. Mit jedem Jahr steigen die Kosten und Mühen einer Sanierung - aber vornehmen muss man sie trotzdem irgendwann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Zu- und Ableitungen auf öffentlichen, privaten oder auf Firmengrundstücken sind. Untersuchungen ergaben, dass etwa 93% aller Abwasserleitungen der Sanierung - oder als Minimum einer Dichtigkeitsprüfung - bedürfen.

Schadensaufnahme ... die Ermittlung vor der Rohrsanierung

Zunächst müssen das Schadensausmaß und die Dringlichkeit der Schäden ermittelt bzw. festgehalten werden. Dann muss der Kostenaufwand zur Sanierung und Reparatur ermittelt werden. Ob eine Reparatur an einer undichten Stelle oder die umfangreiche Rohrsanierung bzw. Erneuerung ganzer Straßenzüge nötig wird, entscheidet man dann. Die jüngste Gesetzesverordnung zur Dichtigkeitsprüfung aller Abwassersysteme hat in der Bundesrepublik eine beispiellose - aber dringlich notwendige! - Inspektionswelle losgetreten. Man muss die meisten Abwassersysteme schnell zukunftsfähig machen, weil sie schon heute den modernen Anforderungen nicht mehr genügen.

Ab 2010 ist alle 20 Jahre eine oberamtliche Dichtigkeitsprüfung vorgeschrieben. Wie geht nun aber eine Rohrsanierung von statten?

Vier Verfahren zur Rohrsanierung

Eine fachgerechte Rohrsanierung kann je nach Schadensausmaß unterschiedlich ausfallen:

Die beste, aber teuerste ist die komplette Erneuerung der Leitungsrohre und der dazu gehörenden Abwasserschächte. Und schon wird die Straße wieder aufgebuddelt! Auch unter dem Gehsteig liegt so manches an Rohren zu unserer Versorgung verborgen. Man kann allerdings mit modernen Methoden auch Rohre wieder dicht machen, ohne an der Oberfläche zu buddeln. Das grabenlose Sanierungsverfahren braucht auch weniger Logistik- und Zeitaufwand. Schwere Schäden kann man so allerdings nicht sanieren. Sobald Abwasserrohre gebrochen sind, sich durch Erdverschiebungen, Unterspülungen und Druck verformt haben oder gar vom Einsturz bedroht sind, muss es ans Buddeln gehen! Mit dem grabenlosen Verfahren kann man vor allem undichte oder wenig aufklaffende Rohrverbindungen sanieren, die keine nennenswerte axiale Verschiebung der einzelnen Rohre nach sich zogen. Auch, wenn Abwasserrohre durch äußere Einwirkungen gerissen oder geplatzt sind, aber noch korrekt an Ort und Stelle liegen, kann das grabenlose Verfahren verwendet werden. Liegen Abwasserrohre beispielsweise unter einer Hauswand oder einem Fundament, wird es ganz schwierig. Hier kann man nicht ohne weiteres graben.

Bei einer Rohrsanierung ist die lokale Reparatur immer das kostengünstigste Verfahren. Mit einer Renovierung bestehender Abwassersysteme stellt man die Funktionsfähigkeit der defekten Abwasserleitungen wieder her und bezieht dabei möglichst viel Bausubstanz der alten Abwasserleitung ein. Auch dieses Verfahren ist einigermaßen kostengünstig. Bei der partiellen Erneuerung müssen Teile des Rohrsystems ausgewechselt werden. Es kann auch vorkommen, dass man die Führung der Rohre im Abwassersystem abändern muss. Zu den Sanierungsverfahren in offener Bauweise braucht man schon einen Bagger. Nach der Offenlegung der beschädigten Abwasseranlagen kann man das defekte Rohrteil entfernen und durch ein neues ersetzen. Die einzelnen Rohrstücke werden mit einer Art Manschette verbunden und anschließend abgedichtet. Nun kann man die Baugrube wieder zubuddeln. Interessant ist das "grabenlose" Sanierungsverfahren, für das man einen fähigen Bauingenieur und ein darauf spezialisiertes Bauunternehmen zu Rate ziehen sollte. Man kann mit dieser Methode punktuelle Einzelschäden durch eine teilweise Gewebeauskleidung beheben. Zum Beispiel kann ein mit Kunstharzen verstärkter Schlauch als so genannter "Kurzliner" um einen so genannten aufblasbaren "Packer" gewickelt. Nun führt man den Packer mit dem Schlauch in das defekte Abwasserrohr ein und beobachtet den Vorgang mit einer Kamera. Luftdruck wird eingesetzt, um den Schlauch an die schadhafte Stelle zu pressen. Nun muss er nur noch verklebt werden. Das geschieht von alleine. Anschließend muss das Ganze aushärten. Der Packer wird wieder aus dem Abwasserrohr gezogen und alles ist Bestens. Man kann auf diese Weise eine Strecke bis zu 5 Metern grabenlos ausbessern, notfalls auch mehrere solcher Strecken hintereinander.

Alternativ kann man die Verlegung einer neuen Abwasserleitung auch ohne Erdarbeiten durchführen - nämlich durch Verfahren wie "Berstlining" oder die "TIP-Methode". Beim Berstlining verlegt man neue Rohrleitungen in einer bereits vorhandenen Trasse. Eine Art Rakete zertrümmert die alte Leitung und zieht die neue an selber Stelle ein. Das TIP-Verfahren zieht Kunststoffrohre in eine marode Rohrführung ein. Als "Schlauchlining" bezeichnet man eine Sanierungstechnik, die einen längeren Gewebeschlauch als Innenauskleidung eines defekten Abwasserrohres in Wirkung bringt. Auch hier wird ein Schlauch aus Nadelfilz oder ähnlichen Geweben mit Kunstharz verstärkt und in das defekte Abwasserrohr eingeführt. Pneumatisch oder mit Wasserdruck kann man das Schlauchteil in die Rohrleitung einbringen und ausweiten, bis sie überall dicht sitzt. Je nach Technologie muss der Schlauch nun 1- 5 Stunden aushärten. Mit diesem Verfahren kann man ganze Leitungen oder einzelne Teile einer defekten Leitung ohne größeren Bauaufwand sanieren. Allerdings kann es nötig sein, bei bestimmten Konstellationen einen Fräsroboter einzusetzen, um Rohre wieder zu öffnen.

Last, but not least, kann man defekte oder leicht verschobene Rohre auch mit einem Zwei-Komponenten-System fluten, um sie wieder dicht zu bekommen. Da, wo die erste Komponente entwichen ist, reagiert sie mit der zweiten und dichtet ein defektes Rohr ab. Je nach dem vorliegenden Fall muss entschieden werden, welches dieser Verfahren am kostengünstigsten, sinnvollsten und durchführbarsten ist. Die komplette Erneuerung der maroden Abwasser-Rohrleitungen ganzer Straßenzüge ist in unseren Städten bereits in Gange. Man kann nicht länger an diesem Ende sparen, weil ganze Abwässerkanäle vom Einsturz bedroht sind oder völlig unzureichend für den heutigen Bedarf sind. Bei der Rundum-Erneuerung kann man gleich auch die Rohrführung optimieren - denn je gerader eine Rohrleitung verlegt wird, desto besser kann man sie überwachen und reparieren. Bei den eingesetzten Werkstoffen hat man die jeweiligen Landesbauordnungen zu beachten. Alle Werkstoffe der grabenlosen Sanierungsverfahren müssen allgemein zugelassen und mit einem bauaufsichtlichen Prüfzeugnis versehen sein oder nach § 20 der MusterBauO im Einzelfall mit einer Zustimmung versehen werden. Musste man mehr als die Hälfte seiner Grundstücks-Entwässerungsanlage sanieren, muss anschließend die Dichte der Abwasserleitung nach DIN EN 1610 nachgewiesen werden.

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