Sachsen bringen Umwelttechnik in die USA

Quelle: Sächsische Zeitung 02.11.08

Ralf-Peter Busse zieht nicht zum ersten Mal seinen Rollenkoffer durch Flughäfen in den USA. Gleich nach der Gruppenreise mit sächsischen Unternehmern und Umweltminister Frank Kupfer (CDU) durch Weststaaten der USA will Busse noch einmal in den Osten des Landes: „Dort nehmen wir die ersten Anlagen in Betrieb.”

Der Leipziger Ingenieur und Chef von 55 Beschäftigten der Busse GmbH stellt Kleinkläranlagen her, zusammen mit Roth Umwelttechnik in Bischofswerda. Busses Membranen reinigen Wasser, wo es keinen Anschluss ans Kanalnetz gibt – demnächst vielleicht in US-Nationalparks. „Wir bekommen die Chance, unsere Systeme anzubieten”, sagt Busse, sein Gesprächspartner sei „ein Glücksgriff” gewesen. Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer hat mögliche Partner für Busse und ein Dutzend andere sächsische Firmenvertreter zusammengetrommelt.

Minister Kupfer bietet sich auf seiner ersten Auslandsreise im Amt „als Türöffner” für die sächsischen Firmen an: In Kalifornien, Nevada und Oregon eröffnet er Kennenlern-Veranstaltungen, auf denen die Reisenden ihre Technologie vorstellen. Umgekehrt erfahren die Deutschen zum Beispiel im Umweltforschungsinstitut DRI in Reno in Nevada, dass auch die Amerikaner sich um -Vermeidung bemühen.

Die USA folgen zwar nicht dem Kyoto-Protokoll zur Reduzierung des Treibhausgases. Doch einzelne Staaten wie Kalifornien unter Arnold Schwarzenegger geben sich grün: Sie haben eine „Westliche Klima-Initiative” vereinbart. Steuervorteile für die Solarwirtschaft sind grade für acht Jahre verlängert worden. „Wer hier etwas Innovatives, Kostengünstiges anzubieten hat, kann gut ins Geschäft kommen”, hören die Sachsen von Martin Gutzat, Leiter des San-Francisco-Büros der deutschen Bundesagentur für Außenwirtschaft.

Gutzat rät den Unternehmern, Reklame zu machen. Ohne diese habe selbst die beste Qualität in den USA keine Chance. Außerdem müssen die angehenden Exporteure aus Sachsen sich juristisch beraten lassen, zur Vorbeugung gegen ruinierende Millionen-Schadenersatzklagen. „Gründen Sie am besten eine Tochterfirma in den USA, um die deutsche Firma von Risiken frei zu halten”, rät der Anwalt Alexander Imberg, der seit zwölf Jahren in den USA arbeitet.

Busse kann sich eine Repräsentanz für seine Firma in den USA vorstellen. Schließlich hat der Leipziger schon erfahren, dass sich Geschäfte in Übersee nicht nebenbei erledigen lassen – beim Test seiner Anlagen habe es immer neue Anforderungen gegeben: „Die haben uns behindert, um ihren Markt abzuschotten”, urteilt Busse.

Doch wie seine Mitreisenden ist er optimistisch, mehr Kunden und Partner zu finden. Die Coswiger Managerin Ingrid Kremtz von GFC Antriebssysteme GmbH trifft sich mit Herstellern von Solaranlagen und fragt, ob sie Schneckengetriebe brauchen – damit lassen sich Fotovoltaik-Anlagen nach dem Sonnenstand ausrichten. „Die sind hier noch nicht so weit”, befindet Kremtz zwar nach den ersten Gesprächen, will aber noch eine Fachmesse in San Diego besuchen.

Auch Kupfer fasst nach der einwöchigen Reise zusammen, dass einige der Angebote aus Sachsen „einen deutlichen Vorsprung” vor US-Technologien haben. Weil Energie in den USA lange billig war, wurde sie oft verschwendet – doch dafür gibt es in einigen Regionen viel Erfahrung mit Wasserkraft oder Erdwärme. Der Pobershauer Wärmetauscher-Spezialist Torsten Enders, in diesem Jahr Zweitplatzierter beim SZ-Unternehmerpreis, hofft ebenfalls auf die Innovationsfreude der Amerikaner: Enders’ Unternehmen Wätas liefert Anlagen, die beim Heizen oder Kühlen den Energieverbrauch senken. „Das wäre was für die USA”, urteilt Enders nach der Reise. „Denn es wird nicht möglich sein, die ganzen Häuser hier vernünftig zu isolieren.”

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