Kanalsanierung – da tun sich manchmal Abgründe auf
In den letzten Jahren ist die Kanalsanierung der privaten Hausanschlüsse in den Fokus der Öffentlichkeit (oder eher mehr in denen der Ämter und Behörden) geraten. Ein undichter Hausanschluss ist lt. dem Gesetz § 324 StGB eine unerlaubte Gewässerverunreinigung. Deshalb kann es durchaus dazu kommen, dass alle Haus- und Grundstücksbesitzer dazu „verdonnert“ werden, ihren Hausanschlusskanal zu überprüfen und ggf. abzudichten oder zu erneuern.

Kanalsanierung – alleine bei dem Wort stellen sich bei vielen Menschen die Haare zu Berge. Man sieht offene Baustellen vor sich, aufgerissene Straßen und Bürgersteige, so dass man nicht mehr zu seiner Haustür kommt, sehr viel Schmutz und der tagelange Lärm von Baggern und Presslufthämmern.
Doch bevor man schon das Geld zum Fenster hinausfliegen sieht, sollte man sich zuvor informieren, was eine Kanalsierung für den Privathaushalt bedeutet und wie der Ablauf einer solchen aussieht.

Feststellung des Ist-Zustandes des Kanals

Am Besten beauftragt man ein Unternehmen, welches sich auf Kanalsanierung , speziell für private Haushalte, spezialisiert hat. Bevor man sich überhaupt für eine der vielen Arten der Kanalsanierung entscheidet bzw. man gleich die alte Leitung herausreißt, sollte man den Ist-Zustand des Kanals feststellen. Um den Zustand des Kanals festzustellen, wird dieser mit sog. Hochdruckreinigungsgeräten durchgespült. Im gereinigten Kanal kann man mittels eines Video- und Computersystems feststellen, in welchem Zustand sich der Kanal befindet und ob evtl. Risse oder Leckagen vorhanden sind. Im Anschluss daran werden die Aufnahmen der optischen Kontrolle ausgewertet.

Mit einem Team aus Experten berät man sich nun über das Ergebnis, welche die optische Kontrolle ergeben hat. Man wertet die evtl. vorhanden Risse, usw. aus und beratschlagt, welche Optionen der Sanierung zur Verfügung stehen bzw. welche Maßnahmen am Besten für die Kanalsanierung geeignet sind. Entscheidend hierfür sind die örtlichen Gegebenheiten wie z.B. Zustand der Rohre, an welchem Ort sich der Kanal befindet (vor oder unter dem Haus), Bodenbeschaffenheit, usw.

Sanierungsplan

Der nächste Schritt in der Kanalsanierung ist der Sanierungsplan. Es zahlt sich definitiv aus, einen Sanierungsplan zu erstellen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Verfahren geprüft, welche für das Objekt in Frage kommen. Des Weiteren werden hier die verschiedenen Möglichkeiten der Reparatur aufgeführt. Je nach Schaden kann man das Rohrsystem reparieren, renovieren oder erneuern. So kann man feststellen, welche Arbeiten und welche Kosten im Detail auf den Haus- und Grundstücksbesitzer zukommen.

Arten der Kanalsanierung

Man unterscheidet in erster Linie zwischen zwei Verfahren bei der Kanalsanierung . Es gibt die sog. offene Kanalsanierung , bei der eine Baugrube mittels Schaufel oder eines Baggers ausgehoben wird, so dass das komplette Kanalsystem freigelegt ist. Die zweite Methode ist die grubenlose Kanalsanierung . Hierbei wird an einer kleinen Stelle eine große Bohrung gesetzt, durch die die verschiedenen Instrumente zur Kanalsanierung eingeführt werden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass man hierfür auch vorhandene Kanalschächte nutzt, welche in den Straßen eingelassen sind. Bei dieser Weise entfällt die Anfertigung einer Bohrung. Für welche Methode man sich am Ende entscheidet, liegt an den örtlichen Gegebenheiten.

Der Ablauf der Kanalsanierung

Hat man bei der Überprüfung des Kanals einen großen Schaden festgestellt, so macht es oftmals Sinn, den Kanal komplett zu erneuern. Hierbei bietet sich die offene Baugrube an, da man mit dieser Methode gefahrlos die Rohrsysteme austauschen kann. Die offene Kanalsanierung wird in der Regel nur dann angewandt, wenn die grubenlose Sanierung keinen Erfolg bringt oder keinen Sinn macht.

Ist hingegen nur eine Reparatur oder eine Renovierung erforderlich, so kann man in der Regel diese Arbeiten als grubenlose Sanierung ausführen.
Bei einer Reparatur kann man zwischen folgenden technischen Verfahren unterscheiden:
- das 2-Komponenten-Flutungsverfahren
- das Roboterverfahren
- das Kurzschlauchverfahren.
Bei einer Renovierung unterscheidet man zwischen:
- dem Langrohr-/Rohrstrang-Lining
- das Kurzrohr-Lining

Liegen weit verzweigte Grundleitungen vor, wird in der Regel das sog. 2-Komponenten-Flutungsverfahren angewandt. Vor Beginn der Arbeiten wird hier das Kanalrohr gründlich gereinigt. Links und rechts neben den schadhaften Stellen wird eine sog. Absperrblase angebracht. Danach wird in den beschädigten Bereich eine Silikatflüssigkeit eingebracht, welches in die Risse einsickert. Im Anschluss wird das Rohr mit einer zweiten Komponente geflutet, welche ebenfalls in die Risse einsickert und sich dort mit dem Silikat verbindet. Das so entstandene Silikatgel verbindet sich mit dem umgebenden Erdreich zu einem wasserdichten Konglomerat und dichtet das Rohrsystem ab.

Beim Roboterverfahren werden moderne Fräs- und Sanierungsroboter eingesetzt. Dies geschieht vor allem in Rohrleitungen, welche nicht begehbar sind. Genutzt wird das Verfahren zum Abfräsen von Ablagerungen wie z.B. Kalk, Beton, usw., zum Abfräsen von Wurzeleinwüchsen, zum Sanieren von Rissen und undichten Rohrverbindungen und zum Abdichten.

Bei den verschiedenen Lining-Verfahren wird an der defekten Stelle des Rohres eine spezielle präparierte Glasfasermatte installiert. Hierbei wird die Glasfasermatte auf den sog. Packer gewickelt und in das Rohr geschoben und an der schadhaften Stelle positioniert. Danach wird der Packer mit Luft gefüllt, wodurch die Glasfasermatte an die Innenwände des Rohres gepresst wird. Je nach Größe und Material benötigt die Glasfasermatte einige Stunden zum Aushärten. Danach wird der Packer wieder entfernt.

Bei den Schlauchverfahren wird ein Reparaturschlauch mit einem Spezialharz getränkt. Nachdem dieser in den Kanal eingebracht wurde, wird dieser mit Luft oder Wasser mit einem bestimmten Druck gefüllt. Der Schlauch dehnt sich aus und presst das Harz an die Wände der Rohrleitung. Das Harz härtet aus und bildet ein stabiles Innenrohr.

Überprüfung der Sanierung

Bei jedem der o.g. Verfahren wird im Anschluss an die Kanalsanierung der Kanal auf Dichtigkeit überprüft. Dies erfolgt zuerst mittels eines Video- und Computersystems. Hier werden die reparierten oder renovierten Stellen genau untersucht. Danach erfolgt i.d.R. eine erneute Flutung, um zu sehen, ob evtl. Wasser austritt.

Bevor man zu Pickel und Schaufel greift, sollte man sich ausführlich über die verschiedenen Methoden der Sanierung erkunden. Des Weiteren sollte man mehrere Sanierungs- und Kostenpläne von verschiedenen Unternehmen einholen. Bei Verwendung von Harzen und Silikaten sowie anderen Kunststoffen, sollte man sich im Vorfeld erkundigen, ob diese auch eine gesetzliche Zulassung bei der Kanalsanierung haben.