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Sie wurden von Ihrer Behörde benachrichtigt, dass Sie eine Kleinkläranlage errichten müssen? Ode Sie planen einen Neubau und es ist kein Kanalanschluss möglich? Dann hilft Ihnen diese Seite mit Antworten auf folgende 5 Fragen:

  1. Wer benötigt eine solche Anlage?
  2. Wie teuer ist die Kleinkläranlage?
  3. Wie funktionieren diese Systeme?
  4. Welche unterschiedlichen Systeme gibt es?
  5. Was muss wie gewartet werden?

Wir hoffen, dass die Informationen eine Hilfe sind. Sollten Sie spezielle Fragen zum Bau einer Kleinkläranlage haben, so können Sie diese Fragen auch gerne in unserem Forum stellen. Hier sind viele Klärfirmen und Behördenvertreter gerne bereit genauer auf Fragen einzugehen!

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1. Wer benötigt eine Kleinkläranlage?

Kleinkläranlagen werden für Einzelhäuser, kleinen Siedlungen, Gastwirtschaften oder Schutzhütten verwendet, bei denen ein Anschluss an das öffentliche Kanalnetz aus Kostengründen oder technisch nicht möglich ist.

Entweder wird die benötigte Hauskläranlage dann komplett neu errichtet, oder es werden  bestehende Gruben mit einer Nachrüstung auf den neusten Stand der Klärtechnik gebracht. Derzeit rechnet man in Deutschland mit ca. 700.000 installierten Anlagen. Diese reinigen Abwasser für Einwohnerzahlen von 4 bis 50 Einwohnerwerten (EW).

Wer braucht eine Kleinkläranlage

Den rechtlichen Hintergrund für diese ganze Geschichte bildet die europäische Norm EN 12566-3 und EN 12566-6, welche den Status einer Deutschen Norm besitzt. Diese Europäische Grundlage legt die Anforderungen an Kleinkläranlagen, Kennzeichnung, das Prüfverfahren, und die Konformitätsbewertung für vollbiologische Kleinkläranlagen bis 50 EW fest.

Anlagen, die nicht direkt von dieser Norm erfasst sind (z.B. Nachrüstsätze für vorhanden Gruben), werden durch vereinfacht gesagt durch Landesbauordnungen geprüft (WasBauPVO § 1; 1.a "Kleinkläranlagen, die für einen Anfall von Abwässern bis zu 8 m3/Tag bemessen sind".) Hier ist das DIBt (Deutsche Institut für Bautechnik) Zuständig und erteilt allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen +  allgemeinen Bauartgenehmigung. Damit wird die Eignung als Kleinkläranlage bestätigt. 

Es war ursprünglich geplant gewesen, bis Ende 2015 eigentlich alle Anlagen in Deutschland auf den neusten Stand zu bringen. (Die Umsetzung der EU-Vorschriften hat aber wie so oft länger gebraucht als erwartet. Im Jahr 2017/18 hatten dann aber so gut wie alle Bundesländer diese Vorschriften umgesetzt, bzw. Betreiber darüber unterrichtet.)

1.1. Was ist bei der Nachrüstung einer Kleinkläranlage zu beachten?

Falls Sie bereits ein Dreikammersystem besitzen, so kann dieses mit Hilfe eines Nachrüstsatzes in eine vollbiologische Kleinkläranlage umgebaut werden. Dies spart Geld für einen neuen Behälter. Diese Nachrüstsätze machen aus Ihrer Sammelgrube bzw. Ausfaulgrube eine vollbiologische Kleinkläranlage. Rüstsätze werden häufig für das SBR-System oder Festbettverfahren angeboten.

Folgende Punkte sollten Sie beachten, wenn Sie eine vorhandene Kleinkläranlage nachrüsten:

  • WICHTIG ! Erkundigen Sie sich früh genug vor dem vereinbarten Einbautermin welche Arbeiten von Ihnen erledigt werden müssen. Lassen Sie sich am besten eine Aufstellung schicken. Fangen Sie früh genug an diese Vorarbeiten zu erledigen.
    Nichts ist ärgerlicher als ein verschobener Einbautermin. Außerdem entstehen für eine zweite Anfahrt in der Regel zusätzliche Kosten.
  • Bestellen Sie für den Tag des Einbaus das Abfuhrunternehmen, um die Grube entleeren und gründlich reinigen zu lasssen. Es sollte ein Spülwagen geordert werden, der die Möglichkeit hat die Grube von innen mit Wasser zu reinigen. Versuchen Sie bitte nicht hier Geld zu sparen!
  • Die Zufahrt mit einem schweren LKW muss je nach System gewährleistet sein! Erkundigen Sie sich, welcher Platz benötigt wird, damit der Nachrüstung Ihrer Klärgrube nicht im Wege steht!
  • Benötigt Ihre Kläranlage bzw. ein vorhandener Steuerschrank Strom? Ist der nötige Stromanschluß bereits vorhanden?
  • Regenwasser darf erst nach der Kläranlage mit dem Abwasser zusammengeführt werden! (In eine Verrieselung darf i.d.R gar kein Regenwasser eingeleitet werden.)
  • Von der Unterkante des Abwasserrohres muss die Kläranlage meist noch ca. 2-3m tiefer eingegraben werden (je nach Behälter). Kommt das Abwasser z.B. auf Kellertiefe heraus, muss noch mindestens 2-3 m unter Kellersohle gegraben werden. Die Seitenbereiche müssen ausreichend angeböscht werden, so dass die Baugrube nicht zufallen kann. Der Böschungswinkel sollte zwischen 30 und 60° - abhängig vom Erdreich – betragen. Ist dieser Platz für die vorhanden?
  • Soweit Sie bis zum Einbaudatum noch keinen Barzahlungsrabatt ausgehandelt hatten, ist jetzt dazu die letzte Möglichkeit. Fragen Sie einfach den Monteur, ob Sie vom Rechnungsbetrag 2 oder 3% abziehen dürfen, wenn Sie sofort bar zahlen.

Vorab können Sie sich mit folgendem Video von Roland Lorenz einen kleinen Einblick in den Einbau einer Kleinkläranlage verschaffen.

Das Video ist jedoch nur ein Beispiel von Vielen für den Einbau einer Kleinkläranlage. Da es etliche verschiedene Systeme und Behälter gibt ist vor der Auswahl einer Kleinkläranlage zu überlegen, welches System für Sie am besten geeignet ist. 

2. Wie teuer ist eine Kleinkläranlage?

Die Kosten richten sich nach:

  • der benötigten Größe der Anlage, also wie viele Einwohner im Haus sind
  • danach, ob eine bestehende Grube nachgerüstet werden kann
  • oder neu gebaut werden muss
  • außerdem ist die Frage, ob man z.B. in einem Umweltschutzgebiet lebt

Bei kleinen Anlagen von 2-4 EW kann man ca. mit 3000 - 3500€ rechnen.

Neben den Errichtungskosten fallen Betriebskosten an. Dazu gehören: 

  • Energiekosten der Kleinkläranlagen (Stromkosten für Pumpen, Kompressor und Steuerung)
  • die technische Wartung der Kleinkläranlagen
  • die betrieblich notwendigen und behördlich vorgeschriebenen Kontrollen der Ablaufqualität
  • die Entsorgung des anfallenden Klärschlammes.
TIPP: Anbieter und Hersteller präsentieren Ihre vollbiologische Kleinkläranlagen

Im Bereich Firmen-Präsentationen können Sie die übrigens die Systeme der meisten Hersteller finden, die in Deutschland anbieten. Sie finden Kontaktadressen, so wie Informationsmaterial über die Kleinkläranlage des jeweiligen Herstellers.

Planung & Tipps liefert Ihnen Checklisten und Praxistipps zur Erstellung und Betrieb Ihrer eigenen Kleinkläranlage.

3. Wie funktioniert eine Kleinkläranlage?

Kurz gesagt - es werden gute Bakterien gezüchtet, die das Abwasser reinigen.

In der Regel haben Kleinkläranlagen ein Absetzbecken (zum Beispiel - wie auf der Grafik ein Drittel einer Dreikammerabsetzgrube), in dem sich die im Abwasser vorhandenen Feststoffe und schwimmende Fette abtrennen. Danach folgt eine biologische Reinigungsstufe – hier übernehmen natürlich vorhandene Bakterien die Verarbeitung und Reinigung des Abwassers (so wie in Flüssen oder im Boden).

Aufbau einer Kleinkläranlage

Um diese Bakterien möglich aktiv zu halten und ein Umfeld zu bieten, in welchem sie sich gut vermehren können, gibt es verschiedene Verfahren in der Klärtechnik, die bei Kleinkläranlagen Anwendung finden. Diese Verfahren möchten wir jetzt etwas genauer ansehen.

Das folgende Video erklärt, wie eine solche Anlage aufgebaut ist. Eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Reinigungsschritte folgt nach dem Video.

3.1. Abwassertechnik Schritt 1 - Mechanische Abwasserbehandlung

Die mechanische Klärung vom Abwasser erfolgt normalerweise in der ersten Kammer der Kläranlage. In dieser Behandlungsstufe sollen Grobstoffe zurückgehalten werden.

Mechanische Klärung bedeutet also, dass die Feststoffe wegen ihres Gewichtes einfach auf den Boden der Kammer absacken. Hierdurch entsteht in der ersten Kammer der sogenannte Fäkalschlamm. Dieser sollte abgefahren werden, wenn er 50% der Wassertiefe erreicht.

Die leichteren Schwebstoffe laufen durch Übertritte in die nächsten Kammern der Kläranlage - bzw- zur nächsten Reinigungsstufe. Bei der nächste Reinigungsstufe - der biologischen Abwasserbehandlung - werden die organischen Inhaltsstoffe (Essensreste, Schmutzstoffe aus der Wäsche, Ausscheidungen aus dem Körper) abgebaut.

3.2. Abwassertechnik Schritt 2 - Biologische Abwasserbehandlung

Die zweite Stufe der Abwassertechnik / Abwasserreinigung wird durch Bakterien erreicht, die das Abwasser in andere Bestandteile zerlegen. Die Bakterien ernähren und vermehren sich also sozusagen von den Inhaltsstoffen des Abwassers in der Kläranlage. Damit die Bakterien ihre Arbeit tun können, brauchen sie aber außerdem Sauerstoff.

Bakterien in einer Kleinkläranlage

Erstens verarbeiten die Bakterien zur eignen Energiegewinnung Kohlenstoff (zum Beispiel aus den Nahrungsresten) zu Kohlendioxid und Wasser. Ähnlich arbeitet auch unser Körper, der Kohlenstoff (unser Essen) in den Muskeln "verbrennt" - Energie gewinnt und nebenbei als "Abfallprodukt" Kohlendioxid ausscheidet (atmen wir aus). Dieser Prozess wird in der Klärtechnik Kohlenstoffabbau genannt.

Kleinkläranlagen, die für Kohlenstoffabbau geeignet sind, haben die Abwassertechnik-Reinigungsklasse C.

Ein zweiter wichtiger Prozess in der Kläranlage ist die Umwandlung von Ammoniumverbindungen (zum Beispiel Eiweiß, Harnstoff...) zu Ammonium (NH4). Dieses Ammonium wird dann noch durch die Bakterien zu Nitrat weiterverarbeitet.

Geschieht das nicht in der Kläranlage müssen die Gewässer diese Aufgabe übernehmen. Problem ist hier jedoch, dass die Gewässer zur Verarbeitung der Stoffe auch Sauerstoff benötigen. Dieser wird also dem Wasser entzogen und dadurch wird die Wasserqualität verschlechtert (logisch - da schließlich auch alle Tiere im Wasser Sauerstoff benötigen). Dieser Prozess wird in der Klärtechnik Nitrifikation genannt.

Kleinkläranlagen die für Nitrifikation geeignet sind, haben die Abwassertechnik-Reinigungsklasse N.

Mikroorganismen, welche die Nitrifikation übernehmen bilden den Belebtschlamm. Im Abwasser gibt es sie entweder schwimmend ("frei schwebend" sagt der Fachmann) oder fest auf bestimmtem Material angesiedelt (ein sogenannter Biofilm, welcher in der Natur auf Steinen oder Pflanzen vorkommt). Dementsprechend gibt es bei den Kläranlagen Systeme, wo die Bakterien schwimmen (zum Beispiel SBR) oder Verfahren mit einem Biofilm (Tropfkörper, Festbett,...).

Sauerstoff erhalten die Bakterien entweder durch direktes Einblasen der Luft in das Abwasser oder durch große Oberflächen, die direkt mit der Luft in Kontakt sind (zum Beispiel beim Tropfkörper, wo das Wasser über Lavasteine rieselt).

3.3. Der letzte Schritt der Abwassertechnik - Die Nachklärung

Der Belebtschlamm oder abgerissene Teile des Biofilms in der Kläranlage (hört sich schlimm an - ist aber ganz normal) sollten nicht in das Gewässer bzw. das Grundwasser gelangen. Schließlich soll die Abwasserreinigung ja so weit wie möglich stattfinden, bevor das gereinigte Abwasser in ein Gewässer fließen darf.

Aus diesem Grund wird in der Nachklärung die Biomasse (Belebtschlamm/Teile des Biofilms) gesammelt. Dies geschieht einfach durch Absinken auf den Grund der Nachklärung. Der abgesetzte Schlamm wird bei den meisten Systemen wieder zurück in die Vorklärung der Kläranlage befördert. Das gereinigte Abwasser kann an der Oberfläche abfließen, bzw. wird abgepumpt (bei den meisten SBR- Anlagen).

3.4. Reinigungsklassen für Schmutzwasser

Seit 2005 wird die Leistungsfähigkeit von Kleinkläranlagen in Ablaufklassen eingeteilt. Es gibt folgende Klassen:

  • C für Kohlenstoffabbau
  • N für Nitrifikation
  • D für Denitrifikation
  • +P für zusätzliche Phosphateliminierung
  • +H für zusätzliche Hygienisierung

Meist wird bei Kleinkläranlagen lediglich die Reinigungsklasse C für das Schmutzwasser gefordert (zur Erinnerung - C betrifft den Kohlenstoffabbau).

Kläranlagen sorgen für sauberes Wasser und eine gesunde Umwelt

Spezialfälle zur Reinigung von Schmutzwasser:

Nur in bestimmten Fällen, in denen besondere Maßnahmen bezüglich Schmutzwasser und zum Schutz der Gewässer erforderlich sind, können weitergehende Reinigungsanforderungen gestellt werden. Dies geschieht oftmals in Karstgebieten und Trinkwasserschutzzonen.

Welche Klasse bei Ihnen gefordert wird, kann Ihnen die zuständige Behörde sagen. Falls jemand freiwillig eine Kleinkläranlage kaufen möchte, die eine höhere Klasse als gefordert erfüllt, ist folgendes zu bedenken:

Stellen Sie den Antrag nur für die geforderte Ablaufklasse. Andernfalls müssen Sie die Anforderungen der höheren Reinigungsklasse einhalten. Das kann bedeuten, dass Sie Ihre Kläranlage dreimal jährlich warten lassen und dabei zusätzliche Analysen durchgeführt werden müssen.

4. Welche unterschiedlichen Systeme von Kleinkläranlagen gibt es?

Man kann zwischen drei Systemgruppen und den hierzu gehörenden Klärsystemen unterscheiden:

BelebtschlammverfahrenBiofilmverfahrenNaturnahe Systeme
SBRTropfkörperPflanzenbeet
MBR, Membranbelebungsanlagengetauchtes Festbettbepflanzter Bodenfilter
BelebungsverfahrenRotationstauchkörperSchilfkläranlage
 BodenkörperfilteranlageSchilfbeet
 Anlagen mit frei beweglichen Aufwuchskörpern / Rotationstauchkörper 

4.1. Was ist das Belebtschlammverfahren?

Einfach gesagt wird bei diesen Systemen das Abwasser in den Kleinkläranlagen auf verschiedene Art und Weise mit Luftblasen durchströmt. Dies bewirkt dann, dass die Bakterien darin sozusagen gut „atmen“ und das Abwasser verdauen bzw. reinigen können. Bei dieser Art der Anlagen schwimmen die Bakterien frei in der Reaktionskammer.

Kleinklärsysteme die zu diesem Typ gehören:

  • SBR
  • MBR, Membranbelebungsanlagen (sorgt sogar für eine Entkeimung des Abwassers, da das Wasser über Membranfilter aus dem Bioreaktor gezogen wird).
  • Belebungsverfahren

4.2. Kleinkläranlage mit Biofilmverfahren

Kleinkläranlage mit BiofilmDer Unterschied zu den vorigen Belebtschlammverfahren ist der, dass die Bakterien bei diesem Typ Anlage auf bestimmten Flächen gezüchtet werden. Es gibt z.B. schwimmende Plastikgitter, ob rund oder länglich. Bei anderen Anlagen werden Kunststoffgitter oder Röhren in der zweiten Kammer der Anlage angebracht. Alle diese Materialen besitzen eine Oberfläche auf der sich die Bakterien gut ansiedeln und vermehren können. Meist wird dann von unten Luft eingetragen, so dass die Bakterienzucht in Schwung kommt und diese das Abwasser reinigen.

Zu diesem Typ Kleinkläranlage gehören:

  • Tropfkörper
  • getauchtes Festbett
  • Anlagen mit frei beweglichen Aufwuchskörpern
  • Rotationstauchkörper
  • Bodenkörperfilteranlage

Noch etwas zu den technischen belüfteten Systemen:

4.2.1. Wie viel Luft braucht eine belüftete Kleinkläranlage?

Immer wieder wird über den Stromverbrauch von Kleinkläranlagen gesprochen. Aussagen der Art „Nur x € Stromkosten für eine 4 EW-Anlage" hört man hier und da. Kann man sich darauf verlassen? Wie realistisch sind solche Angaben?
Hier werden die Zusammenhänge zwischen Reinigungsleistung, Sauerstoffbedarf, Luftmenge und Stromverbrauch kurz erläutern:

Sauerstoffbedarf:

Die Abwasserreinigung in Kleinkläranlagen erfolgt aerob, das heißt unter Verwendung von Sauerstoff.

Vereinfacht: Die Mikroorganismen, die das Wasser reinigen, brauchen Sauerstoff zum zu atmen. Und je mehr sie das Wasser reinigen, desto mehr Sauerstoff brauchen sie. Angaben über den Sauerstoffbedarf sind in der Fachliteratur bzw. in ATV-Regelwerken zu finden.

Zum Beispiel:
Anlagen, die lediglich einen Kohlenstoffabbau (Klasse C) leisten, brauchen 1,6 g O2 pro g BSB5.
Anlagen, die zusätzlich zum Kohlenstoffabbau auch Stickstoff eliminieren (Klasse D), brauchen 3 g O2 pro g BSB5.

Sauerstoffeintrag:

Bei Anlagen, die mit Druckluft betrieben werden, ist eine Berechnung des Sauerstoffeintrages relativ einfach.
Der Sauerstoffeintrag ist linear abhängig von der Luftmenge und von dem Weg der Luftblasen (=Einblastiefe).
Wie viel Sauerstoff pro m³ Luft und Meter Einblastiefe im Wasser eingetragen wird, ist nur noch vom Membranrohr- bzw. Tellerbelüfter abhängig. Dies ist eine Kenngröße, die vom Belüfterhersteller genannt wird. Bei feinblasiger Belüftung im häuslichen Abwasser liegt dieser Wert bei 14g O2 pro m³ Luft und Meter Einblastiefe (Es gibt kaum Unterschiede zwischen den Herstellern).

Bei Anlagen, die mittels Tauch- bzw. Strahlbelüfter Sauerstoff eintragen, ist eine theoretische Berechnung nicht möglich. Versuchsreihen sind hier erforderlich. Dadurch ist eine einfache Kontrolle der „Herrlichkeit" ausgeschlossen, da bleibt nur das Vertrauen...

Luftleistung eines Verdichters:

Genau wie Tauchpumpen eine Leistungskurve haben, auf der der Volumenstrom (in m³/h) in Abhängigkeit zur Förderhöhe (in h) angegeben ist, haben Luftverdichter eine Leistungskurve, auf der der Volumenstrom (in m³/h) in Abhängigkeit zum Gegendruck (in mbar) angegeben ist.
Der Gegendruck setzt sich zusammen aus:

  • Wasserdruck (Einblastiefe): 1 mbar pro cm
  • Öffnungsdruck der Membranen (geringfügig vom Hersteller abhängig): in der Regel ca. 20 bis 30 mbar
  • Alterung der Membranen, durch Ausspülen des Weichmachers während der ersten Betriebsjahre (auch hier geringfügig vom Hersteller abhängig): in der Regel ca. 25 bis 50 mbar
  • Druckverlust in Verrohrung und Schlauch: 20 bis 50 mbar (je nach Schlauchlänge und Durchmesser)

Beispiel: Ein Hersteller einer SBR-Kleinkläranlage mit Drucklufthebern wirbt mit Stromkosten von unter 20 € im Jahr für eine 4 EW-Anlage der Klasse C. Ist das möglich?

  • Als Verdichter wird ein Nitto LA 45 B (Leistungsaufnahme: 45 W) eingesetzt.
  • Die tägliche Laufzeit des Verdichters beträgt 6,5 h (d. h. pro Jahr: 0,045 x 6,5 x 365 = 107 kWh, was bei 18 Ct pro kWh tatsächlich weniger als 20 € pro Jahr bedeuten würde)
  • Im Reaktor beträgt die Wassertiefe 1,35 m.

Was bringt der Verdichter?
Die Einblastiefe kann mit 1,25 m (Wassertiefe minus 10 cm) angenommen werden. Der Gegendruck beträgt dann unter optimistischen Bedingungen: 125 + 20 + 25 + 20= 190 mbar.
Bei diesem Gegendruck bringt der Verdichter laut Kurve 30 l/min = 1,8 m³/h.

Wie viel Sauerstoff wird eingetragen?
Bei dieser Anlage wird der Verdichter auch für den Betrieb der Druckluftheber benutzt, so dass von den 6,5 h Laufzeit am Tag maximal 6 Stunden für die reine Belüftung übrig bleiben.
Der tägliche Sauerstoffeintrag beträgt: Eintragskoeffizient des Belüfters (14 x Volumenstrom (1,8) x tägliche Laufzeit (6) x Einblastiefe (1,25) = 189 g O2 pro Tag.

Wie viel Sauerstoff ist notwendig?
Da die Anlage über eine Vorklärung verfügt, wird die Eingangsfracht von 60 auf 40 g BSB5 pro EW und Tag reduziert. Das heißt, im Reaktor werden täglich 4 x 40 = 160 g BSB5 veratmet. Dafür sind nur für den Kohlenstoffabbau 1,6 x 160 = 256 g O2 notwendig.

Schlussfolgerung
Der Sauerstoffeintrag ist nicht ausreichend um die Schmutzfracht zu verarbeiten. Der Abbau wird nur unvollständig laufen. Der Betreiber spart zwar Stromkosten, die Anlage erreicht aber bei voller Auslastung nicht die geforderten Ablaufwerte!
FAZIT: „Alle Hersteller kochen mit Wasser"

  • Bakterien können nicht unterscheiden, ob sie in einer Kleinkläranlage der Firma X oder der Firma Y arbeiten. Der Bedarf an Sauerstoff ist allein von der Schmutzmenge abhängig, die sie verarbeiten müssen.
  • Wird mit sehr niedrigen Stromkosten geworben, ist entweder die Aussage falsch oder der Sauerstoffeintrag ist zu gering und die Anlage wird die geforderten Ablaufwerte nicht einhalten.
  • Zu sehr an den Stromkosten sparen zu wollen (z.B. durch sehr kleine Verdichter oder durch kürzere Belüftungszeiten), verringert die Sicherheit hinsichtlich kurzfristiger Überlastungen der Anlagen.

4.3. Pflanzenkläranlagen als "Naturnahe Anlagen"

Die dritte bekannte Kategorie der Hauskläranlagen sind dann noch die "natürlichen" Systeme ohne technische Bauteile. Bei diesen Pflanzenkläranlagen wird, wie der Name schon sagt, das Abwasser hier in großen Beten durch geeignete Pflanzen gereinigt.

Pflanzenbeete als naturnahe Kleinkläranlage

Hier finden Sie ausführliche Informationen zu Pflanzenkläranlagen.

Diese Anlagen findet man auch unter folgenden Bezeichnungen:

  • Pflanzenbeet
  • Schilfbeet
  • Schilfkläranlage
  • bepflanzter Bodenfilter

4.4. Zusätzlich: UV-Hygienisierung für Kleinkläranlagen

Bereits seit Jahrzehnten setzt man in der Wasseraufbereitung UV-Licht zur Desinfektion von Trinkwasser ein. Diese Technik wird auch für Abwasser verwendet.

Technisch ist das Verfahren simpel: Das biologisch geklärte Abwasser wird mit UV-Licht (Wellenlänge 253 Nanometer) bestrahlt. Die DNA der Mikroorganismen wird manipuliert und die Zellteilung verhindert. Schädliche Keime können sich nicht mehr vermehren.

Uv-Hygenisierung bei Kläranlagen

Die UV-Technik hat Vorteile:

  • Kostengünstig Die UV-Lampe hat eine recht lange Lebensdauer.
  • Es gibt keine mechanisch beanspruchten Baugruppen.
  • Auch bei Ausfall unbedenklich Eine defekte UV-Lampe z.B. hat keinen Einfluss auf die biologische Klärstufe. Es wird dann "nur" nicht mehr hygienisiert.

Da das UV-System nicht Bestandteil der biologischen Reinigungsstufe ist, sondern nachgeschaltet wird, ist eine Nachrüstung simpel.

Trotzdem seien auch die Nachteile erwähnt:

  • Probleme bei trübem Abwasser - Logischerweise muss das UV-Licht das Wasser durchdringen.
  • Daher darf die Trübung des Klarwassers nicht zu hoch sein.
  • Das Wasser wird zwar keimfrei, dennoch werden feine Schmutzpartikel nicht herausgefiltert. Das ist nur mit Mikro- bzw. Ultrafiltrationsanlagen möglich. Für die meisten Anwendungen (Gartenbewässerung z.B.) stellt das allerdings kein Problem dar.

FAZIT: UV-Hygienisierung ist sicher auch für bestimmte Kleinklärsysteme interessant. Solche Systeme werden mit der Zulassungsstufe +H (plus Hygienisierung) gekennzeichnet.

5. Wie funktioniert die Wartung vollbiologischer Kleinkläranlagen?

Bei den Anlagen sind regelmäßige Kontrolle und Wartung nötig und vorgeschrieben, um die Reinigungsleistung der Anlage zu bestätigen. Schließlich will niemand die Umwelt mit Dreckwasser belasten. Das gereinigte Abwasser wird ja in die Natur entlassen z.B. in einen Vorfluter eingeleitet. Eine andere Möglichkeit ist die Versickerung im Untergrund.

Bei dieser Wartung wird dann die Technik vor Ort kontrolliert, unter Umständen werden Ersatzteile ausgetauscht und es wird eine Wasserprobe entnommen. Im Labor wird dann untersucht, wie gut die Klärstufe das Abwasser nun tatsächlich gereinigt hat. Diese Daten und Wartungsprotokolle werden Ihnen und außerdem der zuständigen Behörde zur Verfügung gestellt. In den meisten Fällen ist dies die Untere Wasserbehörde Ihres Kreises.

Im Allgemeinen wird an die Reinigungsleistung einer Kleinkläranlage eine geringere Anforderung gestellt als bei den großen kommunalen Anlagen. Bei ausreichender Bemessung und guter Wartung ist aber durchaus eine Einhaltung der üblicherweise behördlich vorgeschriebenen Grenzwerte zu erwarten.

Hier finden sie weitere Informationen zur Wartung der Anlagen: Mehr Infos zur Wartung

Sofern Sie jetzt noch tiefer in ein bestimmtes Thema einsteigen wollen finden Sie auf unser Webseite weitere Informationen zu einzelnen Themen der Kleinklärtechnik. Der Preisvergleich, technische Erklärungen, Fragen zur Zulassung, Funktion und welche Vor- & Nachteile der verschiedenen Systeme und Behälter werden eingehend erläutert.


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