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Rigolen und Versickerungssysteme im Vergleich

Inhaltsverzeichnis:

Rigolen und Versickerungssysteme im Vergleich: Mulde, Rigole, Sickerschacht oder Mulden-Rigolen-System? Die Versickerung von Regenwasser auf dem eigenen Grundstück wird immer häufiger vorgeschrieben — und lohnt sich auch finanziell durch reduzierte Niederschlagswassergebühren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vier Hauptverfahren: Muldenversickerung (günstig, viel Platz), Rigolenversickerung (kompakt, unterirdisch), Sickerschacht (wenig Platz), Mulden-Rigolen-System (Kombination).

  • Kosten: 500 € (einfache Mulde) bis 8.000 € (Mulden-Rigolen-System) — je nach Grundstück und Bodenverhältnissen.

  • Entscheidend: Der kf-Wert (Durchlässigkeitsbeiwert) Ihres Bodens. Bei Lehm oder Ton ist Versickerung schwierig bis unmöglich.

  • Gebührenersparnis: 1–2 €/m² versiegelter Fläche pro Jahr. Bei 150 m² sind das 150–300 € jährlich.

  • Genehmigung: In den meisten Fällen wasserrechtlich erlaubnisfrei, aber anzeigepflichtig bei der unteren Wasserbehörde.

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Welches Versickerungssystem passt zu Ihrem Grundstück?

Die Wahl des richtigen Systems hängt von drei Faktoren ab: Bodendurchlässigkeit, verfügbarer Platz und Budget.

System

Platzbedarf

Kosten

Bodenvorgabe (kf-Wert)

Wartung

Mulde (Rasenmulde)

Groß (10–20 % der angeschl. Fläche)

500–2.000 €

≥ 1×10⁻⁵ m/s

Gering (Mähen)

Rigole (Kiesrigole/Kunststoffblöcke)

Mittel (unterirdisch)

2.000–5.000 €

≥ 5×10⁻⁶ m/s

Gering

Sickerschacht

Gering (1–2 m² Fläche)

1.500–3.000 €

≥ 1×10⁻⁵ m/s

Mittel (Reinigung)

Mulden-Rigolen-System

Mittel-groß

3.000–8.000 €

≥ 5×10⁻⁶ m/s

Gering

Versickerungsfähiges Pflaster

Bestehende Fläche

30–80 €/m²

≥ 1×10⁻⁵ m/s

Mittel (Reinigung)

Muldenversickerung: Die natürlichste Lösung

Eine Versickerungsmulde ist eine flache, begrünte Geländevertiefung (20–30 cm tief), in die das Regenwasser geleitet wird. Sie ist die günstigste Lösung und ahmt den natürlichen Wasserkreislauf am besten nach.

  • Vorteile: Günstig, wartungsarm, ökologisch wertvoll (Biodiversität), sichtbare Regenwasserbewirtschaftung

  • Nachteile: Großer Platzbedarf (10–20 % der angeschlossenen Fläche), nicht bei Lehmboden, bei Starkregen temporär „See"

  • Ideale Einsatz: Große Grundstücke mit durchlässigem Boden (Sand, Kies)

Rigolenversickerung: Kompakt und unsichtbar

Eine Rigole ist ein unterirdisches Speicher-Versickerungssystem. Regenwasser wird in einem mit Kies oder Kunststoff-Sickerblöcken gefüllten Graben zwischengespeichert und versickert langsam ins Erdreich.

  • Vorteile: Unterirdisch = kein Platzverlust an der Oberfläche, hohe Speicherkapazität, auch bei mittlerer Bodendurchlässigkeit

  • Nachteile: Teurer als Mulde, Erdarbeiten nötig, nicht einsehbar (Verstopfung schwer zu erkennen)

  • Moderne Variante: Kunststoff-Sickerblöcke (z.B. Wavin Q-Bic, ACO Stormbrixx) bieten 95 % Hohlraumanteil vs. 30 % bei Kies

Sickerschacht und Mulden-Rigolen-System

Sickerschacht: Ein vertikaler Schacht (Betonringe, 1–3 m tief) sammelt Regenwasser und leitet es in tiefere, durchlässige Bodenschichten. Ideal bei wenig Platz, aber nur bei guter Bodendurchlässigkeit ab 1–2 m Tiefe.

Mulden-Rigolen-System: Die Kombination vereint die Vorteile beider Methoden. Regenwasser sammelt sich zunächst in einer oberflächlichen Mulde und versickert dann über eine darunter liegende Rigole. Das Mulden-Rigolen-System gilt als die beste Lösung für mittlere und große Grundstücke — es bietet Rückhaltung, Versickerung und Verdunstung in einem.

Bodengutachten: Der entscheidende erste Schritt

Vor dem Bau einer Versickerungsanlage ist ein Bodengutachten (Baugrunduntersuchung) unerlässlich. Es bestimmt:

  • kf-Wert: Wasserdurchlässigkeit des Bodens (muss ≥ 5×10⁻⁶ m/s sein)

  • Grundwasserstand: Mindestabstand von 1 m zwischen Rigolensohle und Grundwasserspiegel

  • Bodenart: Sand/Kies = gut, Schluff = bedingt, Ton/Lehm = ungeeignet

Kosten Bodengutachten: 300–800 €. Eine Investition, die teure Fehlinvestitionen verhindert.

Häufige Fragen zu Versickerungssystemen

Brauche ich eine Genehmigung für eine Versickerungsanlage?

In den meisten Bundesländern ist die Versickerung von unbelastetem Dachflächenwasser erlaubnisfrei, aber anzeigepflichtig bei der unteren Wasserbehörde. Bei Versickerung von Straßen- oder Parkplatzwasser gelten strengere Regeln (Vorreinigung nötig).

Was kostet eine Rigole für ein Einfamilienhaus?

Für ein EFH mit 120 m² Dachfläche rechnen Sie mit 2.000–5.000 € (Material + Erdarbeiten). Kunststoff-Sickerblöcke sind teurer als Kies, bieten aber dreimal mehr Speichervolumen bei gleichem Bauvolumen.

Kann ich bei Lehmboden versickern?

Reiner Lehm- oder Tonboden ist ungeeignet für Versickerung. Mögliche Alternativen: Versickerung in tiefere, durchlässigere Schichten (Sickerschacht), Retentionszisterne mit gedrosselter Ableitung, oder Kombination mit Verdunstung (Gründach, offene Mulde).

Wie groß muss die Versickerungsanlage sein?

Die Bemessung erfolgt nach DWA-A 138 und hängt ab von: angeschlossene Fläche, Regenspende (regional), Bodendurchlässigkeit und gewünschte Bemessungshäufigkeit. Faustregel Rigole: 30–50 Liter Speichervolumen pro m² angeschlossener Fläche.

Reduziert Versickerung die Abwassergebühr?

Ja, erheblich. Die Niederschlagswassergebühr wird nach versiegelter, an die Kanalisation angeschlossener Fläche berechnet. Flächen mit Versickerung werden abgezogen. Ersparnis: 1–2 €/m²/Jahr, bei 150 m² also 150–300 € jährlich.

Wie lange hält eine Rigole?

Kiesrigolen: 30–50 Jahre. Kunststoff-Sickerblöcke: 50+ Jahre (UV-geschützt im Erdreich). Wichtig: Vorgeschalteter Filter verhindert Verschlammung und verlängert die Lebensdauer erheblich.

Checkliste: Versickerungsanlage planen

  • ✅ Bodengutachten beauftragen (kf-Wert, Grundwasserstand)

  • ✅ Angeschlossene Fläche berechnen (Dach + versiegelte Flächen)

  • ✅ System wählen: Mulde (günstig, viel Platz) oder Rigole (kompakt, teurer)

  • ✅ Bemessung nach DWA-A 138 durch Fachplaner

  • ✅ Anzeige bei der unteren Wasserbehörde

  • ✅ Niederschlagswassergebühr: Antrag auf Befreiung bei der Kommune stellen

  • ✅ Vorfilter nicht vergessen (Laubfang, Sedimentfilter)

  • ✅ Mindestens 3 Angebote von Tiefbau-Fachbetrieben einholen

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FAQ - Häufig gestellte Fragen in Kürze

Brauche ich eine Genehmigung für eine Versickerungsanlage?
In den meisten Bundesländern ist die Versickerung von unbelastetem Dachflächenwasser erlaubnisfrei, aber anzeigepflichtig bei der unteren Wasserbehörde.
Was kostet eine Rigole für ein Einfamilienhaus?
Für ein EFH mit 120 m² Dachfläche rechnen Sie mit 2.000–5.000 € (Material + Erdarbeiten). Kunststoff-Sickerblöcke sind teurer als Kies, bieten aber dreimal mehr Speichervolumen.
Kann ich bei Lehmboden versickern?
Reiner Lehm- oder Tonboden ist ungeeignet. Alternativen: Sickerschacht in tiefere Schichten, Retentionszisterne mit gedrosselter Ableitung, oder Kombination mit Verdunstung.
Wie groß muss die Versickerungsanlage sein?
Die Bemessung erfolgt nach DWA-A 138. Faustregel Rigole: 30–50 Liter Speichervolumen pro m² angeschlossener Fläche.
Reduziert Versickerung die Abwassergebühr?
Ja, erheblich. Flächen mit Versickerung werden von der Niederschlagswassergebühr abgezogen. Ersparnis: 1–2 €/m²/Jahr, bei 150 m² also 150–300 € jährlich.
Wie lange hält eine Rigole?
Kiesrigolen: 30–50 Jahre. Kunststoff-Sickerblöcke: 50+ Jahre. Wichtig: Vorgeschalteter Filter verhindert Verschlammung und verlängert die Lebensdauer erheblich.